Bereits das dritte Mal startet Matthew Fairbrother dieses Jahr im UCI-Mountainbike-Weltcup. In der Kategorie U21 Enduro kämpfen ambitionierte Profis und wagemutige Youngster um jeden Punkt. Doch diese sind eher ein Bonus im Projekt des sympathischen Neuseeländers – was ihn reizt, ist das pure Bikerleben: Mit dem MTB pedalt er von März bis November von Rennen zu Rennen – nicht selten mit Zinkpaste im Schritt und viel Cola im Bauch. Dabei ist er voll und ganz auf sich selbst angewiesen. Ein Interview mit dem weltweit jüngsten Einmannteam.

Erkläre uns dein Projekt. 

Die Idee, mit einem MTB die Welt zu bereisen, faszinierte mich schon immer. Doch irgendwie wollte ich mehr Action – da kam mir die Idee, im MTB World Cup mitzufahren und aus eigener Kraft, also per Bike, an die Rennen zu reisen. In Europa geht das recht gut, da brauche ich nicht wie an ein Rennen in den USA oder in Kanada in den Flieger zu steigen. Mit einfachsten Mitteln und niedrigem Budget bin ich so Teil des grossartigen UCI World Cups.

Was war deine Motivation, einfach auf und davon zu radeln?

Nachdem ich die obligatorische Schulzeit absolviert hatte, wollte ich einfach der DNA meiner Familie folgen: Mein Vater, meine zwei Brüder, alle sind leidenschaftliche Biker. So reiste ich 2022 an mein erstes Rennen in Les Gets (F). Diesen Auftakt zu meiner MTB-Karriere werde ich nie vergessen.

Durch wie viele Länder haben dich die Rennen bis heute geführt?

Ouuhh, lass mich mal rechnen; in der nun 3. Rennsaison waren das sicherlich um die 20 Länder, Transitländer eingerechnet, das sind die Länder, durch welche ich an die Rennstandorte fahre. Obwohl es bei den Anreisen nicht um die Zeit geht, ist das Timing sehr wichtig. Gibt es grosse Höhenunterschiede, brauche ich deutlich länger für 100 km als auf flachem Terrain. Es ist wichtig, dass ich mindestens einen Tag vor den Trainingsläufen am Rennstandort eintreffe.

Was war deine längste Strecke auf dem Bike?


Die längste Distanz zwischen zwei Rennen betrug 1600 km – von Schottland nach Slowenien. Glücklicherweise beinhaltete dies für mich eine Überfahrt mit der Fähre; also ohne die Zusatzdisziplin Schwimmen. Die längste Einzelfahrt, die ich je gemacht habe, führte von Loudenvielle (F) nach Châtel (F), wo ich 840 km in weniger als 40 Stunden zurücklegte und nur ein paar viertelstündige Nickerchen machte, um nicht auf dem Sattel einzuschlafen.

Wie lebst du unterwegs?


«In the bushes» – übersetzt: Ich schlage mich durch. Das ist ja auch ein Merkmal meines Reisekonzepts – mit wenig Geld den World Cup zu fahren. Ich habe auf den Transfers immer mein bescheidenes Equipment dabei; also einen Schlafsack und ein kleines Zelt. Bin ich müde, so halte ich nach einem geeigneten Platz fürs Übernachten Ausschau. Einmal in Kanada habe ich abseits einer recht stark befahrenen Strasse in der Nähe von Quebec campiert. Durch ein lautes Rascheln bin ich dann so gegen 3 Uhr erwacht. Da sah ich einen Bären, der mit seiner Schnauze meine kleine Rahmentasche durchsuchte. Vermutlich hatte ich darin etwas Essbares vergessen. Als er mich bemerkt hatte, sind wir beide so erschrocken, dass der Vierbeiner das Weite suchte und ich den Reissverschluss meines Zelts instinktiv fest zu zog.

 

Wie sieht dein Biker-Alltag aus?


Ja, der ist eher anstrengend – so habe ich beispielsweise niemanden, der während des Einkaufens auf mein Bike aufpasst. Da ich zwischen den Rennterminen oft unter Zeitdruck stehe, halte ich meistens an Tankstellenshops an. Da kommt es schon mal vor, dass ich mit zwei grossen Cola-Flaschen und drei Packungen Gummibärchen nach rekordverdächtigen drei Minuten schon wieder aus dem Laden bin. Wenn ich bei heissem Wetter Tagesetappen von 300 km mit Höhenunterschieden von bis zu 1000m (Pyrenäen) fahre, dann brauche ich extrem viel Energie. Meistens fahre ich während vier Tagen und ruhe mich danach aus. Ab und zu mache ich auch Halt in einem Hostel oder miete ein Zimmer, wo ich duschen, Kleider waschen und vernünftig kochen kann. Das Zimmer teile ich wenn immer möglich mit meinem Bike, das ich nie unbeaufsichtigt lasse!

Aus was besteht dein «Biker-Haushalt»?

Das Wichtigste ist klar mein Bike: Ich habe ein Deviate – das ist ein vollgefedertes Carbon-MTB mit einigen Alukomponentenwie Lenker und Gabel. Es wiegt nur gerade ca. 16 kg. Dazu kommt mein Equipment von um die 40 kg. Die Navigation mache ich mit meinem Smartphone, die optimale Routenwahl ist ausschlaggebend, damit ich energieoptimiert und rechtzeitig an den Rennen eintreffe. Glücklicherweise transportiert ein befreundetes MTB Team für mich eine Box mit Ersatzteilen und den so wichtigen Stollenreifen an die Rennen. Komme ich auf dem Rennplatz an, wechsle ich jeweils als erstes die Reifen. Dort habe ich auch die Möglichkeit, Reparaturen und Wartungsarbeiten auszuführen.

Welches war deine grösste sportliche Herausforderung bis heute?


Unvergesslich für mich ist sicherlich das Rennen 2022 über den Highland Trail 550 in Schottland. Ich startete am 16. Mai und leider war das Wetter grauenhaft, also kalt, nass und windig. Es gab einen regelrechten Sturm und am vierten Tag war ich nach 595 km ziemlich fertig, so richtig cooked (ausgelaugt) ! Schmerzhafte Entzündungen am rechten Fuss gepaart mit einem Fersensporn zwangenmich zur Kapitulation. Mit nur fünf Stunden Ruhephase in den vier Tagen wollte ich nur noch eines: SCHLAFEN! 

 

Welches Rennen erfüllt dich besonders mit Freude/Stolz? 

In Nové Město (CZ) fuhr ich im Mai 2023 auf den 10. Platz (U21 EDR), obschon ich mir den kleinen Finger im Rennen ausgerenkt und verstaucht hatte.

 

Nenn uns den schönsten Moment, seit dem du unterwegs bist. 

Das war im Herbst 2023, als ich von Barcelona (E) über Andorraund die Pyrenäen an das Rennen nach Loudenvielle (F) fuhr. Da gab es ein sagenhaft schönes Licht undeinen unvergesslichen Sonnenuntergang: Das entschädigte für alle Strapazen!

 

Was vermisst du am meisten auf der Tour?


Wenn ich wirklich komplett ausgepumpt bin, dann frage ich mich manchmal, weshalb ich mir das antue. Am meisten vermisse ich tatsächlich – mein Auto! So eine praktische Erfindung. Toll, wenn du nicht für jeden Meter in die Pedale treten musst (lacht). Nach der Rennsaison verbringe ich jeweils den Rest des Jahres zu Hause in Christchurch (NZ) bei meinen Eltern. In meinem Van habe ich jeweils alles, was ich so brauche. Ein Dach über dem Kopf und natürlich auch immer mein Bike!

Hast du dir ein konkretes Ziel gesetzt?

Nein, ich habe keine konkreten Ziele. Auf jeden Fall möchte ich mein Bike-Potenzial weiterhin voll ausschöpfen. Solange, bis ich genug von der Welt auf zwei Rädern gesehen habe. 

 

Wofür steht MOTOREX für dich? 

MOTOREX ist für mich ein Stück Schweiz. Wie überall in diesem wunderbaren Land spürt man einfach den Perfektionismus. Auch am Rennen in Lenzerheide. Alles ist super organisiert, sauber und easygoing. Die Schweiz hat zu Recht weltweit ein super Image – das widerspiegelt sich für mich auch in den Produkten und Services von MOTOREX.